The Dark Side of the Moon

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16.03.1973
Zusätzliche Information

The Dark Side of the Moon ist ein Konzeptalbum und das erfolgreichste Album der Rockgruppe Pink Floyd. Nach dem Erscheinen des Albums am 24. März 1973 wurde es jahrelang in den internationalen Hitparaden aufgelistet. Mit bis zum Jahr 2008 über 50 Millionen verkauften Tonträgern wird es heute häufig als das zweitmeistverkaufte Album nach Michael Jacksons Thrillerausgewiesen. Noch heute werden jedes Jahr mehrere hunderttausend Exemplare verkauft.

Dark Side of the Moon Full Album

Beim Albumtitel handelt es sich um eine im englischen Sprachraum verbreitete stehende Wendung, die auf ein Bonmot von Mark Twain zurückgeht, wonach jeder Mensch ein Mond sei, der eine dunkle Seite habe, die er niemandem zeige.

Entstehung

Die Idee kam dem Bassisten Roger Waters bereits im Herbst 1971.

Seine Erfahrungen mit dem Niedergang des einstigen Pink-Floyd-Mitglieds Syd Barrett schuf den thematischen Rahmen: Was kann sensible Menschen in den Wahnsinn treiben? Waters wollte organisierte, anonyme Machtstrukturen wie das Geld, die Zeit, Kriegswahnsinn aufzeigen. Auch ernüchternde Erfahrungen mit dem Musikbusiness und der Verlust einer Utopie, an die etwa noch dieHippie-Generation glaubte, färbten auf die Texte ab.

Da die Band Medicine Head fast zeitgleich ebenfalls ein Album mit dem Titel Dark Side of the Moon herausgebracht hatte, gab es zwischenzeitliche Überlegungen, dem Pink-Floyd-Album den Titel „Eclipse“ zu geben. Erst als die Medicine-Head-Veröffentlichung kommerziell nicht erfolgreich wurde, wurde der ursprüngliche Albumtitel beibehalten.

  The Dome in Brighton, in dem The Dark Side of the Moon erstmals 1972 aufgeführt wurde

Teile des Materials zu The Dark Side of the Moon wurden erstmals am 20. Januar 1972 im „The Dome“ in Brighton vorgestellt, wegen technischer Probleme musste die Band jedoch nach „Money“ ihren Auftritt beenden. Ein Mitschnitt eines vollständigen Konzertes vom 17. Februar 1972 kam unter dem Titel Tour 72 als Raubpressung in den Handel. Perfektioniert zum geschlossenen Album-Zyklus sollte es bis zum Juli 1975 in kompletter LP-Länge auf jedem Pink-Floyd-Konzert gespielt werden.

Es wurde in den Londoner Abbey Road Studios von Juni 1972 bis Januar 1973 aufgenommen. Neben den Gruppenmitgliedern wirkten als Musiker mit: Dick Parry (Saxophon auf Money und Us And Them), Clare Torry (Gesang auf The Great Gig In The Sky), Doris Troy, Leslie Duncan (Backing Vocals). Außerdem sind kurze Fragmente aus Interviews enthalten, die Roger Waters mit zufällig im Studio anwesenden Personen geführt hat, insbesondere Studiomitarbeiter und Mitglieder der Gruppe Wings.

Auch Paul McCartney wurde interviewt, seine Beiträge wurden allerdings nicht verwendet. Das Werk schließt mit einem Satz des damaligen Pförtners der Abbey Road Studios, Jerry Driscoll, der zum Thema befragt sagte: “There is no dark side in [sic!] the moon, really; [as a] matter of fact it’s all dark“. (Sein darauffolgender Satz “The only thing that makes it look light is the sun“ wurde auf dem Album nicht verwendet.)

Auf den meisten CD-Pressungen lässt sich während der ausklingenden Herzschläge am Ende von Eclipse eine kaum hörbare Orchesterfassung des Beatles-Songs Ticket To Ride ausmachen. Genaue Ursache und Zweck dieses Zitats sind bislang unbekannt. Obwohl dieser Effekt auch auf hochwertigen Vinylpressungen aus der Zeit vor der CD-Ära (z.B. EMI Pro-Use-Series EMLF-97002, erstmals 1978 in Japan veröffentlicht) nachgewiesen werden kann, hält sich nach wie vor die Meinung, es handle sich um einen Fehler, der erst beim Mastering für die Compact Disc entstanden sei (reguläre Vinylpressungen vermögen die Episode aufgrund ihres Grundrauschens kaum wiederzugeben). Sowohl Pink Floyd als auch die Beatles gehörten zur Stammkundschaft der Abbey Road Studios.

Stil

Das Album markiert in musikalischer Hinsicht die Entwicklung der Band zu einer immer professioneller werdenden Produktionsweise. Die Musik ist gemessen an früheren Pink-Floyd-Alben recht kommerziell. Für damalige Verhältnisse modische Pop-Elemente wurden in den Sound des Albums mit einbezogen, insbesondere Synthesizer, die bei der Band erstmals auf breiter Front zum Einsatz kamen. Daneben ist David Gilmours melodisches, Blues-beeinflusstes Gitarrenspielcharakteristisch für das Album.

Die US-Band Steely Dan hatte bereits 1972 mit ihrem Debüt-Album Can’t Buy a Thrill ein ähnliches Beispiel für einen perfekt produzierten modernen Pop-Sound vorgelegt, wie er für The Dark Side of the Moon charakteristisch ist: Das Album wurde etwa mit einer 24-Spurmaschine aufgenommen.

  Pink Floyd spielen 1973 während eines Auftritts Stücke aus The Dark Side of the Moon

Zugleich prägen aber immer noch einige surreale und bizarre Momente das Album. Besonders auffallend sind die gesprochenen Passagen des Albums, die sogleich das Intro Speak to Me bestimmen. Diese Klangcollage beginnt mit dem Pochen eines Herzschlags, über dem mehrere Personen sich zu den zentralen Themen des Konzeptalbums auslassen: Tod, Wahnsinn und Gewalt. Nach einer Idee des Toningenieurs Alan Parsons erhielten die beiden Single-AuskopplungenTime und Money mit geloopten Sequenzen von mehreren synchron schellenden Weckern beziehungsweise dem Klingeln einer Registrierkasse jeweils ein ungewöhnliches Intro. Money ist bis auf den Gitarrensolo-Mittelteil, der im 4/4-Takt gespielt wird, im Rockmusik-untypischen 7/4-Takt gehalten.

Das Stück On the Run beschreibt die Angst vor dem Reisen. Da die Band bereits mehr als eine Amerikatournee absolviert, jedoch panische Angst vor dem Fliegen hatte, schrieben sie dieses Stück, das sich von Auftritt zu Auftritt weiter entwickelte. Die Geräusche eines explodierenden Flugzeuges, mit denen der Song ausklingt, bringen das Thema auf den Punkt. Es basiert auf einer Synthesizer-Schleife, die um klangcollagenhafte Elemente ergänzt wurde, und stellt damit eine Frühform des Techno dar. Auffällig bei der Harmonik des Albums ist die sehr häufig und in zirkelförmiger Form verwendete Akkordfolge II-V (Bsp: Em7 - A7), die für Jazzmusik typisch ist.

§Cover

Das Plattencover wurde von George Hardie vom Hipgnosis-Designstudio entwickelt. Die Covergestaltung stammt von Storm Thorgerson. Sie zeigt vor schwarzem Hintergrund die Brechung eines weißen Lichtstrahls an einem Prisma, der sich dadurch in die Spektralfarben auffächert. Dieses Motiv ist ein Zitat von einem Klassiker des Schallplattencovers, den Alex Steinweiss 1942 für Beethovens 5. Klavierkonzert gestaltet hatte – wobei das Klavier von Steinweiss’ Original durch ein Prisma ersetzt wurde.

Die aufgefächerten Spektralfarben setzen sich im aufgeklappten Teil des Covers fort und beschreiben dort graphisch einen Herzschlag, wie er am Anfang und am Ende der Platte zu hören ist. Für die Neuauflagen zum 20. und zum 30. Jubiläum der Albenveröffentlichung wurde in den Jahren 1993 und 2003 das Cover optisch erneuert, das Motiv jedoch beibehalten.

Kritik

Trotz des großen kommerziellen Erfolgs waren viele Kritiker zunächst unzufrieden mit der perfekt produzierten, aber im Vergleich zu den Vorgängeralben wenig avantgardistischen und eingängigen Musik des Albums. The Dark Side of the Moonsei Musik für „Hifi-Snobs“, hieß es etwa. In der Zeitschrift Sounds wurde das Album als Ausverkauf früherer künstlerischer Erfolge verrissen: „Die Pink Floyd leben mittlerweile davon, sich selbst zu zitieren und zu kopieren, was heißen soll: Sie glänzen durch Einfallslosigkeit.“ Die Musik sei nurmehr „billiger Gebrauchsrock vom Fließband mit ergreifenden ‚Aaahs‘ und ‚Ooohs‘“, interessant sei eigentlich nur die letzte Textzeile des Liedes Brain Damage: „Sie lautet ‚See you on the dark side of the moon‘, und das sagt aus, wo man die Pink Floyd heute findet: hinterm Mond.“

 Im Laufe der Zeit änderte sich dies; das Album gilt heute längst auch unter Kritikern als Meilenstein: In der Liste des renommierten Fachblattes Rolling Stone der 500 besten Alben aller Zeiten rangiert die LP auf Platz 43.

Albumversionen

Es ist eines der wenigen Alben, die auch in einer Quadrofonie-LP-Version, in etwa vergleichbar mit 4.0-Raumklang, existieren. Es erschien als so genannte „Quadrophonic 8-Track-Cassette“, die wie die Quadrophonie-LP in den frühen 1970ern ein wenig, vor allem aber in den USA, verbreitet war. Die 4-Spur- und 8-Spur-Cassetten sind jedoch nicht zu verwechseln mit der Compact Cassette, die ein völlig anderes Format hat.

2003 erschien The Dark Side of the Moon neu abgemischt von James Guthrie als SACD in einer 5.1-Kanal-Raumklangversion. Viele Fans bemängelten, dass nicht Alan Parsons, der Toningenieur der Abmischung von 1973, für diese Aufgabe herangezogen wurde.

2011 erschien das Album als Immersion Box, die unter anderem sowohl den Quadrophonie-Mix von Alan Parsons aus dem Jahre 1973 als auch den 5.1-Mix von James Guthrie aus dem Jahre 2003 enthält.

Veröffentlichungen mit Bezug auf The Dark Side of the Moon

Auf dem Pink-Floyd-Livealbum Pulse (1995) ist eine vollständige Darbietung des Albums enthalten. Der Mitschnitt stammt aus der letzten Tournee der Band in der Formation ohne Roger Waters. 2006 erschien die gleichnamige DVD, die dem Zuschauer eine aufwändige visuelle Inszenierung des Albums mit runder Großleinwand und eigens dafür angefertigten Clips zugänglich macht.

Der Regisseur Matthew Longfellow drehte im Jahr 1997 eine Making-of-Dokumentation ab, die 2003 unter dem Titel Classic Albums – The Making of Dark Side of the Moon auf DVD erschienen ist. Musiker und Mitwirkende kommen in einer 93-minütigen Sendung zu Wort.

Das Album diente in den letzten Jahren gehäuft als Vorlage für mehr und weniger ungewöhnliche Neuinterpretationen. Die Formation Easy Star All-Stars veröffentlichte 2003 eine Dub/Reggae-Version namens Dub Side of the Moon, die das Albumkonzept ironisch auf die eigene Subkultur ummünzt: Das Kassenklingeln zu Beginn des Stücks Money wurde durch eine rhythmische Collage um Raucherhusten, Feuerzeuggeräusche und das Blubbern einer Wasserpfeife ersetzt. Das A-Cappella-Projekt Vocomotion spielte 2005 eine Neuinterpretation unter dem Titel Dark Side of the Moon a cappella ein. Darin werden sämtliche Instrumente durch Gesang oder Beatboxing imitiert. Die Progressive-Metal-Band Dream Theater spielte das komplette Album während ihrer Welttournee 2005 als Zugabe live und veröffentlichte einen Livemitschnitt auf DVD und CD über ihr eigenes Plattenlabel YtseJam Records.

Ende 2009 veröffentlichte die Band The Flaming Lips eine radikale Neuinterpretation des gesamten Albums.

Die Industrial-Metal-Band Ministry benannte eines ihrer Alben Dark Side of the Spoon, anspielend auf die verrußte Unterseite eines Löffels (engl. „spoon“), der zum Aufkochen von anschließend intravenös injiziertem Heroin genutzt wird, und die Drogenvergangenheit ihres Sängers Al Jourgensen.

Auf dem Cover des Albums The Sunny Side of the Moon: The Best of Richard Cheese von Richard Cheese wird der Lichtstrahl nicht wie bei The Dark Side of the Moon von einem Prisma, sondern von einem Martiniglas gebrochen.

Klaus Schulze nahm zusammen mit Pete Namlook zwischen 1994 und 2008 eine Serie von 11 CDs unter dem Titel The Dark Side Of The Moog auf; auch die Titel der einzelnen Stücke tragen verballhornte Titel von Pink Floyd-Alben oder -Stücken. Bereits 1976 gab es auf dem Album Strange New Flesh der Band Colosseum II ein Instrumentalstück mit dem Titel Dark Side of the Moog.

Die dunkle Seite des Mondes ist der Titel eines Romans von Martin Suter aus dem Jahr 2000. Der Titel (deutsch für „The dark side of the moon“) spielt einerseits auf eine Aussage des Romanprotagonisten an, wonach dieses Album von Pink Floyd die beste Musik für einen Drogentrip sei, andererseits auf seine eigene Entwicklung im Verlauf des Romans.

Seit Februar 2010 zeigt das Schweizer Theater Rigiblick eine Version, bei der die Musik von Pink Floyd für Streichquartett und Piano umarrangiert wurde. Die Musik wurde zusammen mit einem Text von Ray Bradbury zum Stück To the Dark Side of the Moon verwoben. Es spielen das Galatea Quartett und Daniel Rohr.

Der Musiker Nguyên Lê veröffentlichte 2014 die CD "celebrating The Dark Side of The Moon" auf der, orchestriert von Michael Gibbs, zusammen mit der NDR-Bigband die Titel des Albums interpretiert werden.

Chartinformationen

Die US-Zeitschrift Billboard führte das Album 773 Wochen lang ununterbrochen in den Top 200, und es ist bis inklusive Januar 2015 durch Wiedereinstiege insgesamt 893 Wochen in den Top 200 vertreten.

In der "Billboard Top-Pop-Catalog-Liste" wird das Album im März 2009 in der 1645. Woche geführt.

Dokumentation

  • Classic Albums: Pink Floyd - The Dark Side Of The Moon Edel records GmbH 2003

Literatur

  • John Harris: Pink Floyd und The Dark Side of the Moon. Die Entstehung eines Meisterwerks. Hannibal, Höfen 2006, ISBN 3-85445-272-1
  • Mr Brian Southall: Dark Side of the Moon Revealed: The real story of Pink Floyd's landmark album, Clarksdale 2013, ISBN 1905959982

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