Alexander Potebnja

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Geburt:
10.09.1835
Tot:
29.11.1891
Patronym:
Afanassjewitsch
Zusätzliche namen:
Александр Потебня, Oleksandr Opanasowytsch Potebnja
Kategorien:
Akademiemitglied, Linguist, Nationalpreisträger, Philosoph, Publizist
Nationalitäten:
 ukrainisch
Friedhof:
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Alexander Afanassjewitsch Potebnja, (russisch Александр Афанасьевич Потебня, ukrainisch Олександр Опанасович Потебня/ Oleksandr Opanasowytsch Potebnja, * 10./ 22. September 1835, Gawrilowka, Gouvernement Poltawa, Russisches Kaiserreich; † 29./ 11. Dezember 1891, Charkow, Russisches Kaiserreich) war ein russisch-ukrainischer Philologe.

Leben

Alexander Afanassjewitsch Potebnja wurde am 10. September (nach dem Julianischen Kalender) 1835 bei dem Dorf Gawrilowka, Gouvernement Poltawa in der heutigen Oblast Sumy, Ukraine auf dem Anwesen eines ehemaligen Stabskapitäns geboren und entstammte einer im 18. Jahrhundert geadelten Kosakenfamilie, deren männliche Familienmitglieder als Offiziere der russischen Armee dienten. Auf Betreiben seiner Mutter entging Potebnja dieser Laufbahn und kam im Alter von neun Jahren in ein Gymnasium im polnischsprachigen Radom. Nach seinem Schulabschluss immatrikulierte sich Potebnja 1851 an der Universität von Char'kov und legte 1856 das Examen ab. 1860 veröffentlichte er seine Dissertation O nekotorych simvolach v slavjanskoj narodnoj poėzii („Über einige Symbole in der slawischen Volksdichtung“).

Bereits zwei Jahre später folgte sein außerhalb der historischen Sprachwissenschaft wirkmächtigstes Werk Mysl' i jazyk („Denken und Sprache“). Im selben Jahr wurde Potebnja als Anwärter auf einen Lehrstuhl für vergleichende Sprachwissenschaft zur Vervollkommnung seiner Kenntnisse nach Berlin geschickt. Den auf zwei Jahre geplanten Aufenthalt brach er schon nach einem Jahr ab. In dieser Zeit gerieten seine drei jüngeren Brüder in Schwierigkeiten, darunter Andrej Potebnja, der im polnischen Aufstand von 1863 ums Leben kam. Ob Potebnja als Zivilist in die Vorbereitungen involviert war, weiß man nicht. Damals aber gab es durchaus Stimmen, die ihn mit den staatsfeindlichen Unternehmungen seiner Brüder in Verbindung brachten, seine Rückkehr an die Universität indes nicht verhindern konnten. Dennoch verlief seine weitere Karriere nicht reibungslos. Seine Habilitation 1866 scheiterte zunächst. Stein des Anstoßes war unter anderem Potebnjas Idee, christliche Riten der Slawen mit heidnischen Gebräuchen in einen Zusammenhang zu bringen. Erst 1875 wurde Potebnja aufgrund seiner im Jahr zuvor erfolgten Habilitation zum ordentlichen Professor ernannt. Potebnja war nicht nur ein europaweit anerkannter Sprachwissenschaftler, sondern auch ein beliebter akademischer Lehrer, dessen Wirken zu einer regelrechten Schulbildung in Charkiw führte. Potebnja starb am 29. November (a. St.) 1891.

Werk

Neben seinen sprachwissenschaftlichen Arbeiten sind nicht zuletzt seine sprachästhetischen Überlegungen, die er im 10. Kapitel seines Frühwerks Mysl' i jazyk (1862) angestellt hat, von Bedeutung. Sie haben die Entwicklung der literarischen Ästhetik im 20. Jahrhundert, die zu einem nicht geringen Anteil ihren Ausgang in Russland genommen hat, entscheidend vorangebracht. In der Folge Wilhelm von Humboldts und Heymann Steinthals argumentierte Potebnja gegen die Annahme, dass es das Denken sei, das die sprachlichen Äußerungen determiniert. Potebnja versuchte demgegenüber, die Bedeutung des Sprachvermögens für kognitive Funktionen herauszustreichen, und schrieb dem Sprachvermögen nicht nur ein kreatives, sondern auch ein epistemisches Potential zu. Was er die "Poetizität der Sprache" nannte, war letztlich nichts anderes als die Fähigkeit der Sprachbenutzer, Bedeutungen zu übertragen, Metaphern zu bilden und auf diese Weise verschiedene Dinge aufgrund eines gemeinsamen Merkmals miteinander in Verbindung zu bringen. Daher war es für Potebnja die Sprache und a fortiori die Literatur als Sprachkunst, die die Erkenntnis der Welt ermöglicht. Nach seinem Tod gaben seine Schüler, die sog. potebniancy, Vorlesungsmanuskripte, Aufzeichnungen und Vorlesungsmitschriften heraus, die seinen Nachruhm im vorrevolutionären Russland beförderten.

Wirkung

Potebnja war es, der bereits 1862 den Begriff der Poetizität prägte und damit der Literaturtheorie des 20. Jahrhunderts einen entscheidenden Anstoß gab. Potebnja war zeitlebens nur Spezialisten bekannt. Um die Jahrhundertwende jedoch, zehn Jahre nach seinem Tod, bezogen sich die russischen Symbolisten Valerij Brjusov und Andrej Belyj auf Potebnjas Überlegungen und machten die literarisch interessierte Öffentlichkeit mit ihnen vertraut, so dass auch die für die Entwicklung der internationalen Literaturtheorie bedeutsamen russischen Formalisten an seinen Schriften nicht vorbei kamen. Sie besaßen jedoch ein zwiespältiges Verhältnis zu ihm. Während sie gegen ihn und vor allem gegen seine Schüler polemisierten, übernahmen sie doch auch unter der Hand einige Ideen von ihm.

Ursache: wikipedia.org

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        Verhältnis

        NameBeziehungGeburtTotBeschreibung
        1Андрей ПотебняАндрей ПотебняSohn23.05.187007.03.1919
        2Александр ПотебняАлександр ПотебняSohn23.12.186816.11.1935
        3Andrij PotebniaAndrij PotebniaBrüder31.08.183804.03.1863

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